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Der SPL Phonitor 2

in Technik - Hifi-Bereich 07.06.2015 19:34
von GHP • 2.383 Beiträge

Der SPL Phonitor 2 ist sicherlich eine Ausnahmeerscheinung unter den KHV, geht er doch dank seiner Ausstattung deutlich über normale Modelle dieser Gerätegattung hinaus !
Der Phonitor 2 ist als Nachfolger des bewehrten Phonitors, KHV mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten und ein Monitorcontroller für aktive Lautsprecher/Studiomonitore.
Da SPL ein renomierter Hersteller hoch- und höchstwertiger Studiotechnik - Hardware, wie inzwischen auch Software - ist, merkt man dem Phonitor 2 seine Studioherkunft auch an, was imho aber alles andere als nachteilig ist.







Das Gerät zeichnet sich durch mehrere Features, die quasi schon Alleinstellungsmerkmale sind, aus.
Es kommt, wie in SPL's Mastering-Serie seit einigen Jahren, die 120 V - Technik zum Einsatz, die hier durch erweiterten Pegelheadroom laut Specs. 134dB Dynamik bieten soll. Ein Wert also, der sich dem physikalisch Möglichen schon langsam annähert. Berücksichtigt man den Granulateffekt bei digitalen Rauschabständen mit, ergibt sich hier eine Dynamik, welche etwa einer linearen 24bit-Quantisierung und somit dem bei Medien existenten State of the Art entspricht.
Für Rauschfreiheit, bzw. enormen SN/R ist also gesorgt. Und tatsächlich, es ist keinerlei Rauschen auch bei vollem Rechtsanschlag des Volumen-Potis hörbar. So soll es sein !
Der P 2 verfügt über eine "Matrix-Konfiguration" mit deren Hilfe sich zumindest eine Annäherung an das Hören ohne Kopfhörer realisieren läßt. Das wesentliche Problem bei Kopfhörerwiedergabe ist ja die "Im-Kopf-Lokalisation" durch das Fehlen der individuellen Außenohrübertragungsfunktion. Eine Minderung der "Im-Kopf-Lokalisation" verspricht die Matrix-Funktion.
Eine weiteres sehr interessantes Feature ist die Laterality-Funktion, mit deren Hilfe man unterschiedlich laute Kanalwiedergabe oder -empfindung, beispielsweise durch seitenlastige Aufnahmen, wie sie in den 1960ern und 1970ern gerne entstanden, korrigieren kann. Dies aber, ganz im Gegensatz zu einem simplen Balanceregler, der letztendlich nur einen Kanal dämpft und somit eine Nachregelung der Gesamtlautstärke notwendig macht, OHNE LAUTHEITSVERLUST !
Wenn man so will, ein ganz ausgefuchster, intelligenter Balanceregler. Auch ein Abhören nur eines Kanals ist möglich, ebenso wie eine Mono-Funktion.
Hier zeigt sich deutlich die Herkunft und Zielgruppe des P II, nämlich der Masteringbereich im Tonstudio.
Für mich persönlich auch der Grund zum Erwerb des Gerätes.
Natürlich kann der P II auch als reiner KHV verwendet werden, alle Funktionen lassen sich selbstverständlich abschalten.


Haptik

Vorzüglich, alle Schalter klicken satt und das Motorpoti, welches übrigens fernbedienbar ist (sic), läuft schön sahnig.
Man hat hier ein echtes High-End-Gerät vor sich.
Die Verarbeitung ist in jeder Beziehung vorzüglich.



Design

Eine wie ich finde, gelungene Synthese aus Studiodesign und heimeligem Premium-HiFi-Gerät.
Auch dank der hübschen, beleuchteten analogen VU-Meter auf der Front, die echtes Verstärkerfeeling aufkommen lassen, auch wenn es sich um keine Leistungsanzeige handelt.



Anschlüsse

Es sind 3 Eingänge, 2x XLR + 1x Cinch, vorhanden. Die Ausgänge 1x 1/4" TRS-Klinke & 1x XLR, wobei letzterer für Aktivlautsprecher (Monitorcontroller!), aber auch zum symmetrischen Anschluß von Kopfhörern verwendet werden kann.
Die Eingangsverstärkung ist mittels Mäuseklavier im Boden des Gerätes wählbar, wobei auch eine Umsetzung von Homerecordinglevel -10dBV auf 0dBu vorgesehen ist.



Der Phonitor 2 ist laut Hersteller, in der Lage, so gut wie jeden Kopfhörer am Markt erfolgreich zu treiben und bietet, wie bereits gesagt, asymmetrische und symmetrische Anschlüsse, so daß sich jeder Kopfhörer anschließen lassen sollte.



Nun zum Klang

Ich habe verschiedene KH aus meiner Sammlung angeschlossen, deren Impedanzen zwischen 16 (Beyer Custom One Pro) und 600 Ohm (Sennheiser HD-560 Ovation, bzw. HD-230) schwanken und somit wohl den relevanten Impedanzbereich abdecken dürften.
Zuerst habe ich meine niederohmigen Studiohörer (AKG K271MkII, AT ATH-M50 etc.) ausprobiert. Wie zu erwarten war, war der Klang absolut einwandfrei.
Man möge mir nachsehen, daß ich hier zum Klang des P II selbst keine blumigen Aussagen machen kann, da sich mir die so oft beschriebenen "weltengleichen" Unterschiede in "Bühne & Co." nicht so recht erschließen wollen.
Ich kann nur sagen, der Phonitor 2 klingt absolut sauber und frei von jeglichen Färbungen des Klanges.
Daß absolute Störpegelfreiheit herrscht, sagte ich bereits.


Eine doch erstmal schockartige Enttäuschung will ich nicht verschweigen.

Bei höherohmigen Hörern wie Beyer DT 990 Pro und Beyer T90 (250 Ohm) und erst recht bei den - nur mal interessehalber - angeschlossenen alten Sennheisern, knickte der mögliche Abhörpegel ein, d.h. es waren keine wirklich hohen Pegel mehr möglich, was mich zur Annahme verleitete, der P II sei möglicherweise doch nur für niederohmige Hörer gedacht.
... was ich mir aber eigentlich überhaupt nicht vorstellen konnte und wollte.

Tatsächlich müssen die Gain-Werte für die Ein- und Ausgänge auf Maximum geschaltet werden, um auch an höher- und hochohmigen Hörern hohe Pegel bei geringer Eingangsspannung mancher Consumer-Gerätezu zu ermöglichen. Hier merkt man halt, daß SPL ein Studiotechnik-Anbieter ist. Die Differenz Homrecordinglevel -10dBV vs. Tonstudiopegel +4dBu ist halt doch deutlich merkbar.


Das Volumenpoti ist ab 11:30 in 1dB - Schritten skaliert, was zwar eine äußerst feinfühlige Lautstärkeregelung ermöglicht, andererseits aber dazu führt, daß ab 12 Uhr keine große Lautstärkeerhöhung mehr möglich ist.
Zwischen "High Noon" und Rechtsanschlag liegen nur noch 16 dB.
Daß ein solches Lautstärkeregelungsverhalten aufgrund der logarithmischen Dämpfungscharakteristik vorgegeben ist ist klar, hätte aber auch etwas anders gelöst werden können.



Mein bisheriges Fazit :

Ein großartiges Gerät, welches lediglich bei Betrieb mit niedrigem Einganspegel und hochohmigen Hörern eine kleine Schwäche besitzt, die sich aber durch maximale Gain-Einstellung ausreichend korrigieren läßt.
Die superbe Ausstattung macht den Phonitor 2 zu einem grandiosen Gerät für Kopfhörerabhöre im Studio oder auch zuhause, mit derzeit wohl einzigartigen Möglichkeiten.

Ich verwende den Phonitor 2 auch zur Ansteuerung meiner Genelec-Monitore und bin absolut zufrieden.

Allerdings sollt man bei zukünftigen Geräten das Mäuseklavier zur Gain-Anpassung tunlichst auf die Rückseite verlegen !


Hybride Grüsse - GHP

nunmehriges Goldohr ! ;-)
zuletzt bearbeitet 20.06.2015 00:37 | nach oben springen


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