#1

Les Paul - Pioneer der Mehrkanaltechnik

in Technik - Studiobereich 09.07.2016 12:19
von Simplon • 1.104 Beiträge

Les Paul (* 9. Juni 1915 in Waukesha, Wisconsin, USA; † 12. August 2009 in White Plains, New York; eigentlich Lester William Polsfuss[1]) war ein US-amerikanischer Gitarrist, der wesentlich an der Entwicklung moderner Aufnahmetechniken beteiligt war, indem er Pionierarbeit im Bereich des „Multitrack Recordings“ und zahlreicher Echo- und Halleffekte leistete (Quelle: Wikipedia).

Mit dem Jungen fing es an, dass Musiker mehrere Spuren spielten, einzelne Instrumente separat aufgenommen werden konnten etc. Ein Meilenstein der Recording Technology.

Uns was ist heute im POP daraus geworden. Jeder kann heute auf seinem PC 24 Spuren aufnehmen, jede Dorfkapelle kann sein Spiel zum Bombast-Rock aufblähen und die Schlagzeug- Art von Ringo Star als App hinzukaufen und rein mischen.

Selbst oder gerade bei erfolgreichen Aufnahmen mit großen Stars treffen sich die Musiker nicht mehr, manchmal lernen sie sich überhaupt mal kennen, wenn der Song einen Echo oder Grammy bekommt und sie zur Verleihung dürfen.

Da spielt einer den Gesangspart in München ein, sendet den song dann per Internet zum Bassisten in L.A., zum Gitarristen nach New York etc. Jeder spielt seinen Part und der Produzent fügt alles zusammen. Damit das klappt, werden die Harmonien gleichzeitig immer einfacher. Kreativität, ein miteinander ausprobieren, sich gegenseitig beflügeln etc. findet in dieser ökonomisch effizienten, aber künstlerisch sterilen Welt nicht statt.

Große Meilensteine der Pop- und Rockmusik entstanden immer vor Ort im Studio im gemeinsamen Schaffen. Pink Floyd oder die Beatles hatten die Studios oft monatelang belegt oder eigene aufgebaut.

Deshalb ist heute u.a. die Qualität dieser Musik so dürftig. In der Klassik geht das nicht, Beethoven´s 9te muss man noch zusammen spielen. Im Jazz mit seiner europäischen Tendenz zur Kopfmusik (Musiker spielen für Musiker, die sich dann gegenseitig bewundern) ist der Trend aber in Anfängen auch schon da. Die großen Improvisationen entstehen so natürlich nicht mehr. Während ich das schreibe, läuft gerade GIANT STEPS von John Coltrane.

Les Paul hat neben der Erfindung der E-Gitarre mit festem Korpus mit der Multi Track Technik großes für die Rock- und Popmusik geschaffen. Aber wie so oft hatte die Medaille 2 Seiten.

Übrigens: eine echte Gibson Les Paul aus den 50ern kostet heute auch einige Hundert Tausend Euro. Nich nur High-Ender spinnen.

simplon


It don´t mean a thing if it ain´t got that swing (Duke Ellington, lyrics: Erving Mills, 1931)
zuletzt bearbeitet 09.07.2016 12:25 | nach oben springen

#2

RE: Les Paul - Pioneer der Mehrkanaltechnik

in Technik - Studiobereich 09.07.2016 22:25
von GHP • 2.387 Beiträge

Servus simplon

Ja, es stimmt, die Zeiten haben sich mächtig, und das eben nicht nur zum Guten, geändert.
Die Digitaltechnik hat einen regelrechten Paradigmenwechsel hervorgerufen. Eine Entpersönlichung schreitet in allen Bereichen, so auch in der Musik vorran. Bei den " X and Friends" - Veranstaltungen und diversen Duetten, gegen die sich schon Verstorbene wie Frank Sinatra gar nicht mehr wehren können, beschleicht mich auch manchmal das Gefühl, es mit einem Kunstprodukt zu tun zu haben.

Geht es so weiter, werden im Film vielleicht zukünftig noch Clark Gable und Angelina Jolie gemeinsam erscheinen.

Sieht man sich aber an, welche durchaus positiven Möglichkeiten die moderne Technik mit sich bringt, stellt man wie eigentlich immer fest, daß es nur auf deren Einsatz ankommt, will man echte Kunst produzieren. Daß Musiker global disloziert kooperieren muß imho keinen Verlust an Musikalität bedeuten.
Es ist wie mit moderner Studiotechnik, diese ist großartig, ermöglicht es aber auch, viel Mist zu produzieren. Es gibt Leute die wünschten sich, der digitale Kompressor wäre nie erfunden worden, da dieser den Loudness War erst möglich gemacht hat.

Ohne Les Paul's Mehrspurtechnik wäre die moderne Musik in der Tat unmöglich.
Ein wahrer Pionier !

Daß heute jeder Dödel mit dem Magix Music Maker ggf. sogar noch einen Hit produzieren kann ist schon erschreckend für echte Musikfreunde. Das Musikverständnis hat sich aber eben auch sehr - oftmals LEIDER ! - gewandelt.

Ich sage immer, hätten Leute wie Rudy Van Gelder oder Bernie Grundman vor 30, 40 Jahren die heutige Technik gehabt, was hätten die noch schaffen können ...
Da heuzutage aber wirkliche musikalische und klangliche Qualität bei der großen Masse der Hörerschaft kein großes Gewicht mehr haben, wird die an sich großartige Technik leider oftmals falsch verwendet.


Hybride Grüsse - GHP

nunmehriges Goldohr ! ;-)
zuletzt bearbeitet 09.07.2016 22:28 | nach oben springen

#3

RE: Les Paul - Pioneer der Mehrkanaltechnik

in Technik - Studiobereich 10.07.2016 00:03
von Simplon • 1.104 Beiträge

Hallo GHP,

Du hast recht, jede Technik hat zwei Seiten. Es kommt darauf an, was man daraus macht und ob wir als Konsumenten das erkennen.

Nur eins ist mir schon wichtig: wenn Musiker zusammen, zur gleichen Zeit, im Studio sind, entsteht meist eine Kreativität, die der global-ökologischen Vorgehensweise fehlt. Man kann ja nicht sagen, wie es andersherum geklungen hätte. Statt dem Wunsch-Bassisten aus USA einen weniger bekannten aus Deutschland, der dafür vor Ort sein kann.

Ich wollte nur, zum 100. Geburtstag, an Les Paul erinnern. Gestern kam im Radio eine Sendung mit seiner Musik und ich habe gedacht, was heute fehlen kann.

Gruß
Simplon


It don´t mean a thing if it ain´t got that swing (Duke Ellington, lyrics: Erving Mills, 1931)
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#4

RE: Les Paul - Pioneer der Mehrkanaltechnik

in Technik - Studiobereich 03.05.2018 20:41
von Simplon • 1.104 Beiträge

Zitat von Simplon im Beitrag #1
Les Paul (* 9. Juni 1915 in Waukesha, Wisconsin, USA; † 12. August 2009 in White Plains, New York; eigentlich Lester William Polsfuss[1]) war ein US-amerikanischer Gitarrist, der wesentlich an der Entwicklung moderner Aufnahmetechniken beteiligt war, indem er Pionierarbeit im Bereich des „Multitrack Recordings“ und zahlreicher Echo- und Halleffekte leistete (Quelle: Wikipedia).

Mit dem Jungen fing es an, dass Musiker mehrere Spuren spielten, einzelne Instrumente separat aufgenommen werden konnten etc. Ein Meilenstein der Recording Technology.

Uns was ist heute im POP daraus geworden. Jeder kann heute auf seinem PC 24 Spuren aufnehmen, jede Dorfkapelle kann sein Spiel zum Bombast-Rock aufblähen und die Schlagzeug- Art von Ringo Star als App hinzukaufen und rein mischen.

Selbst oder gerade bei erfolgreichen Aufnahmen mit großen Stars treffen sich die Musiker nicht mehr, manchmal lernen sie sich überhaupt mal kennen, wenn der Song einen Echo oder Grammy bekommt und sie zur Verleihung dürfen.

Da spielt einer den Gesangspart in München ein, sendet den song dann per Internet zum Bassisten in L.A., zum Gitarristen nach New York etc. Jeder spielt seinen Part und der Produzent fügt alles zusammen. Damit das klappt, werden die Harmonien gleichzeitig immer einfacher. Kreativität, ein miteinander ausprobieren, sich gegenseitig beflügeln etc. findet in dieser ökonomisch effizienten, aber künstlerisch sterilen Welt nicht statt.

Große Meilensteine der Pop- und Rockmusik entstanden immer vor Ort im Studio im gemeinsamen Schaffen. Pink Floyd oder die Beatles hatten die Studios oft monatelang belegt oder eigene aufgebaut.

Deshalb ist heute u.a. die Qualität dieser Musik so dürftig. In der Klassik geht das nicht, Beethoven´s 9te muss man noch zusammen spielen. Im Jazz mit seiner europäischen Tendenz zur Kopfmusik (Musiker spielen für Musiker, die sich dann gegenseitig bewundern) ist der Trend aber in Anfängen auch schon da. Die großen Improvisationen entstehen so natürlich nicht mehr. Während ich das schreibe, läuft gerade GIANT STEPS von John Coltrane.

Les Paul hat neben der Erfindung der E-Gitarre mit festem Korpus mit der Multi Track Technik großes für die Rock- und Popmusik geschaffen. Aber wie so oft hatte die Medaille 2 Seiten.

Übrigens: eine echte Gibson Les Paul aus den 50ern kostet heute auch einige Hundert Tausend Euro. Nich nur High-Ender spinnen.

simplon



Nur zur Erinnerung, der Beitrag ist schon älter, aber jetzt wieder aktuell.

Simplon


It don´t mean a thing if it ain´t got that swing (Duke Ellington, lyrics: Erving Mills, 1931)
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#5

RE: Les Paul - Pioneer der Mehrkanaltechnik

in Technik - Studiobereich 04.05.2018 20:55
von GHP • 2.387 Beiträge

Alles pekuniäre Pillepalle gegen Neuman Paules Daytona-ROLEX !


Hybride Grüsse - GHP

nunmehriges Goldohr ! ;-)
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#6

RE: Les Paul - Pioneer der Mehrkanaltechnik

in Technik - Studiobereich 07.05.2018 09:16
von maldix • 2.567 Beiträge

Zitat
Daß heute jeder Dödel mit dem Magix Music Maker ggf. sogar noch einen Hit produzieren kann ist schon erschreckend für echte Musikfreunde. Das Musikverständnis hat sich aber eben auch sehr - oftmals LEIDER ! - gewandelt.



Ich finde es zwar auch befremdlich, dass es viele durchaus erfolgreiche Musikproduktionen gibt, die musikalisch oder klanglich nicht meinem Verständniss entsprechen, aber müsste die Frage nicht heißen: Warum gibt es solche Produktionen die den Geschmack großer Massen findet?

Auch kann man m.M.nicht grundsätzlich behaupten, dass Musiker bei der Entwicklung zwingend im gleichen Studio sitzen müssen. Das dies viele Vorteile bringt, sehe ich auch so, es gibt aber durchaus viele erfolgreiche und gute Projekte, die „global“ entwickelt wurden.

Das kreative Nutzen aller Möglichkeiten macht doch auch die Künstler aus oder?
Da ist u.a.auch die Mehrspur/kanal Technik ein gutes Beispiel. Loop Machinen sind da doch die Weiterführung.


auditorus te salutant
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#7

RE: Les Paul - Pioneer der Mehrkanaltechnik

in Technik - Studiobereich 07.05.2018 15:19
von GHP • 2.387 Beiträge

Ob "moderne Produktionstechnik" mit globaler Verteilung funktioniert, hängt sicherlich auch von der Musik selber ab. Im Electronica-Genre spielt es wohl keine Rolle, wer wo was aufgenommen hat.
Bei einer Big Band - Aufnahme sieht die Sache schon ganz anders aus.

Diverse Alben, auch schon aus den 70ern und 80ern, wurden aber tatsächlich in verschiedenen Studios aufgenommen. Da war und ist es dann die Aufgabe des Masterings, für einheitlichen Sound trotz unterschiedlicher Recording Location zu sorgen.


Hybride Grüsse - GHP

nunmehriges Goldohr ! ;-)
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