#71

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 01:18
von Mr.Bojangles • 79 Beiträge

Tja, das mit dem 'Umgestalten' des Raums ist ein Punkt, bei dem wir schon sehr experimentiert haben, aber die jetzige Anordnung hat sich als die akustisch wie wohnlich, wie auch aus pragmatischen Gründen, als die Beste erwiesen. Teppiche und dickere Vorhänge sind nicht in der Diskussion, das waren die Einschränkungen beim Start des Projekts.
Die Stellung der LS .... ich glaube da hatte ich mehrere Wochen dran gefeilt, teils um wenige Zentimeter und Winkelgrade. Nein, so scheint es tatsächlich ein Optimum unter den gegebenen Umständen zu sein.
Und es klingt durchaus nicht schlecht. Mit Hilfe von Acourate ließen sich dann auch durchaus noch Fortschritte erzielen.
Da ich jedoch bei vielen Gelegenheiten feststellen konnte, wie gut Musik in akustisch 'behandelten' Räumen klingt, sehe ich mich veranlasst, der Sache im eigenen Hörraum einmal auf den Grund zu gehen.

Die von Shakti beschrieben Ansätze finde ich sehr interessant. Dabei kann ich der These von Herrn Siegler in einem entscheidenden Punkt nicht wirklich zustimmen.
Unser Gehirn ist tatsächlich in der Lage, unvollständige Informationen so zu ersetzen, dass uns dieses Defizit nicht bewusst wird. Beispiele: Ohne das wir es bemerken, 'verschlucken' oder 'vernuscheln' wir einen nicht geringen Teil der Silben wenn wir sprechen. Trotzdem kann unser Gegenüber uns ohne Probleme verstehen. Das liegt daran, dass unser Gehirn nach logischen Ergänzungen sucht und dabei auf seinen Erinnerungsspeicher zurückgreift. Wir glauben dann, die Worte tatsächlich gehört zu haben, was aber nur eine Illusion ist. Das funktioniert so hervorragend, dass es nur sehr selten zu einem logischen Irrtum bei der Ergänzung kommt. Dann haben wir uns scheinbar 'verhört'. Auffällig wird dieser Vorgang, wenn er auf Grund eines nicht genügend großen Datenvorrats und/oder eines zu langen Zeitintervalls für die Ergänzung zusammenbricht. Wir erfahren dies wenn wir uns im Ausland in einer Fremdsprache mit Einheimischen unterhalten. Da verstehen wir bei einer normal geführten Unterhaltung vieles nicht, weil unser Gegenüber für uns zu schnell ist. Der logische Abgleich, der sonst im Unterbewusstsein abläuft ist jetzt einfach zu langsam.
In der Musik ist es durchaus ähnlich. Deshalb sind wir in der Lage, selbst auf den schlechtesten Wiedergabegeräten, ein Saxophon von einer Posaune zu unterscheiden. Genau wie bei der Sprache nimmt das Gehirn eine Wahrscheinlichkeitsbewertung vor, die erstaunlich gut funktioniert. Da aber die angelieferte Information für die korrekte Darstellung 'Saxophon' unzureichend ist, muss aus dem Erinnerungsspeicher ergänzt werden. Wir bemerken davon zunächst nichts. Das ganze ist ein extrem schnell ablaufender, stressiger Prozess, der enorme Konzentration und Energie verbraucht, und zwar permanent!
Dies führt nach einer gewissen Zeit zu Ermüdungserscheinungen, die eine weiteres entspanntes Hören kaum mehr möglich machen. Das Gehirn braucht dann einfach eine Pause.

Ich stimme der These also in dem einen Punkt vorbehaltos zu, nämlich, dass unser Gehirn hier Korrekturarbeit leistet. Nicht jedoch der Auslegung, dies geschehe in Form einer 'Korrekturkurve', durch die ohne weiteren Aufwand dann alles läuft. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir manche Menschen ein Lob über eine Anlagenkombination aussprechen hören, dann ist es oft die Aussage, dass ein stundenlanges entspanntes Musikhören möglich gewesen sei. Das liegt daran, dass, je präziser die Wiedergabe ist , desto weniger muss das Gehirn mit permanenten Ergänzungen aus dem Datenspeicher nachkorrigieren.
Sich also auf diesen neurologischen Vorgang zu verlassen, halte ich für den falschen Weg.

Was die 'Akzeptanz' von Hörern in einem fremden Raum angeht, so vermute ich hier einen reinen Gewöhnungseffekt. So etwas bemerken wir auch, wenn wir ein anderes Auto fahren. Kupplung, Gas und Bremse haben völlig andere Druckpunkte, aber nach einer erstaunlich kurzen Zeit der Eingewöhnung haben wir uns darauf eingestellt.

Zum Ansatz von Uli Brueggemann: Ich benutze ja selbst Acourate, aber ich muss - um der Klarheit willen - darauf hinweisen, dass Filtersoftware weder den Raum noch den LS in irgendeiner Form verändert. Die Musikdaten werden so umgerechnet, dass sich bei der Wiedergabe ein bestimmtes Ergebnis zeigt.
Wenn nun ein Lautsprecher Mängel beim dem aufweist, was man 'Zeitrichtigkeit' nennt, muss also jedes einzelne Musikstück so 'hingebogen' werden, dass es bei der Wiedergabe mit diesem LS zu dem gewünschten Effekt kommt. Wenn dann noch der Nachhall im Raum unakzeptabel hoch ist , muss auch hier an jedem Musikstück zusätzlich die Veränderung vorgenommen werden, der Raum bleibt unverändert. Das ist dann schon eine ganze Menge oder? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die tonale Balance innerhalb der Musikaufnahme, ihre Feindynamik und vieles mehr davon unbeeinflusst bleiben sollte. Ich arbeite oft mit Bildbearbeitungsprogrammen und kann versichern, dass ab einer gewissen Grenze der Manipulation alles artifiziell wirkt, im günstigen Fall. Im schlechten kommt es sogar zu vollständigen Tonwertabrissen (damit ist Farbe gemeint). Sollte man da also nicht lieber einen LS kaufen, der ohne korrekturbedürftige Fehler daherkommt? Und sollt man den Nachhall nicht besser bei der Ursache bekämpfen statt über Filter im Musiksignal?
Dabei ist ja noch gar nicht erwähnt, dass die für die Ortung störenden Erstreflektionen überhaupt nicht mit Filtern bekämpft werden können. Und die Kammfiltereffekte durch Phasenverschiebungen, ausgelöst durch Reflektionen bleiben immer noch erhalten.

Das war jetzt ein langer Beitrag, aber das ist ein Thema, das sich leider nicht in drei Sätzen beschreiben lässt.

LG,

BO

zuletzt bearbeitet 06.11.2016 01:24 | nach oben springen

#72

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 09:42
von maldix • 2.562 Beiträge

Hi Zusammen,

vieles von dem, was ich in den letzten Beiträgen von Shakti, Simplon und Bo gelesen habe, kann ich auf Grund meiner selbst gemachten Erfahrungen gut nachvollziehen.
Bei allem gelesenen ist es für mich so, den eigenen Königsweg muss wohl jeder für sich finden und wahrscheinlich ist, dass es letztlich etwas „Farbe“ aus jedem Töpfchen ist.

Jede wie auch immer geartete Korrektur, das sagt für mich der Begriff ja schon, berichtigt, also verändert etwas falsches / nicht richtiges , so dass es "richtig" ist. Immer davon ausgehend, das bekannt ist was „richtig“ ist, dabei würde ich „richtig“ auch mit angenehm oder gefallen gleichsetzen.

Wie bei jeder Regelungsteuerung auch, ist Unterschied zwischen Ausgangspunkt und Zielpunkt entscheidend, wie weit ich ausgleichend also korrigierend eingreifen muss.

Getreu dem Motto: „Was nicht da ist stört auch nicht“ brauche ich etwas was nicht entsteht oder das ich gleich bei der Entstehung mindern kann, später nicht aufwändiger zu korrigieren.

An einem kleinen Beispiel dargestellt, wenn man ein Boot gerade aus auf Zielkursgebracht hat und dabei Faktoren wie Missweisung oder die Ablenkung durch die Schraubendrehung und Strömung ect. berücksichtigt hat, wird man auf einer geraden Linie zum Ziel fahren. Ändern sich nun Bedingungen, kann ich z.B. mit einer Gegenbewegung korrigierend eingreifen und die Fahrt wird auf mehr oder weniger gerader Linie weiter zum Ziel verlaufen. Man könnte aber auch von Anfang an hier eine andere Line fahren und erst am Ende korrigierend eingreifen. Je stärker nun die Einflüsse sich auswirken, umso mehr oder schneller und stärker muss ich korrigieren um auf der Linie zu bleiben, oder umso mehr am Ende. In jedem Fall wäre die Fahrt einfacher gerade aus, wenn es keine Störung geben würde. (ja ich weiß, jedes Beispiel ist nur bedingt belastbar)

Ich sehe da aber schon die Parallelen zu der Fragestellung der Korrektur.
So finde ich den auch den Ansatz gut idealer Weise, wenn im Vorfeld schon viele Störfaktoren auszublenden, dann brauchet man nicht oder nur ganz gering zu korrigieren. Wie und wo auch immer diese Korrektur dann erfolgt.

Und da habe ich mir nochmal deinen „Lageplan“ angeschaut. Ein wohnlich sicher sehr interessanter Raum, jedoch akustisch weitab vom Standardkubus. Das akustisches Ergebnis man in dem „Korridor“ der Nachhallzeiten schön sieht, sind die großen Fensterflächen, der harte Boden und wahrscheinlich sonst wenig im Raum, was da absorbierend wirken kann. Die Decke mit dem Basotec hilft da wahrscheinlich noch am meisten zu absorbieren. Wahrscheinlich ist dadurch auch, wie im Wasserfall zu sehen die Nachhallzeit deutlich geringer. Für den Hochton ist die Decke wohl zu träge.
Die verwinkelte Raum Form hilft dir meiner Meinung nach beim Bass, wobei sich durch den Versatz und den Übergang der beiden Raumbereiche wahrscheinlich ein paar Effekte ergeben, die sich auch über den gesamten Bereich auswirken.

Da ich, schon „befürchtet“ habe, dass es bei der Umgestaltung des Raums, doch recht enge Grenzen gibt, wird sich dein Unterfangen wahrscheinlich etwas schwieriger und damit aufwändiger realisieren lassen.

Die Möglichkeiten, die negativen klanglichen Einflüsse in der Nähe der Entstehung zu eliminieren, ist ja fast ausgeschlossen. Teppich und Vorhang fallen ja weg, damit sind diese großen Flächen an anderen Stellen zu kompensieren, d.h. prinzipiell habe ich aber bis zum kompensieren diese Einflüsse noch im Raum.

Die LS stehen ja schon optimal, so dass auch hier kein oder nur kaum Hebel mehr vorhanden ist.
Also wenn du die Rahmenbedingungen nicht ändern kannst oder willst, dann bleiben auch nur wenige Möglichkeiten konservativ etwas zu beeinflussen. Die „unsichtbaren“ Korrekturen, finden aber klanglich auch nicht deine Zustimmung.
Da kommt mir die Aussage „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ in den Sinn, ohne das irgendwie despektierlich zu meinen.

Aber „Irgend einen "Tod" muss man (du) sterben“ ( frei nach meiner Oma, für die solche Probleme nie vorhanden gewesen wären) wenn du dem avisierten Ziel irgendwie näherkommen möchtest.
Du möchtest auf der einen Seite ein optimales Ergebnis erreichen, kannst aber auf der anderen Seite nur wenig dazu beitragen dieses auch zu verwirklichen, dass wird meines Erachtens ohne „Kompromisse“ recht schwierig werden.

Über die Wahrnehmung und Leistungsfähigkeit des Gehirns sollten wir vielleicht an anderer Stelle mal reden, das ist nämlich auch ein sehr spannendes Thema, was hier sicherlich den gesteckten Rahmen sprengt.

„Sich also auf diesen neurologischen Vorgang zu verlassen, halte ich für den falschen Weg.“, da bin ich auch uneingeschränkt bei dir.

Die Aussage von Shakti, finde ich auch sehr richtig, dass man sich genau darüber klar sein muss,
was Lautsprecher Korrektur und was Raumkorrektur ist.

Die Wahl der Lautsprecher hat jeder doch nach der Signatur eben genau dieser Lautsprecher gewählt. Deshalb sollte diese auch bei aller wie auch immer gearteten Einflussnahme erhalten bleiben.


auditorus te salutant
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#73

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 10:42
von shakti • 384 Beiträge

Ich komme noch mal auf das individuelle Hoeren und damit der "Leistung" des Gehirns zurueck.
In "natuerlichen" Umgebungen funktioniert dieses wirklich gut und stressfrei.
Zumindest erscheint mir eine normal gefuehrte Unterhaltung nicht als anstrengend....

Ich moechte hier darauf hinweisen, dass Interaktionen zwischen Schallereignis und Raum von jedem! Menschen persoenlich anders bewertet werden, dh als laestig oder akzeptabel gehoert werden. Dies ist mit einer Standard Zielkurve nur sehr schwer abzudecken, da gehoert viel Erfahrung dazu.

Bewege ich mich zB in einen akustisch toten Raum oder in einem nach Studionorm behandelten Raum, habe ich persoenlich ein Problem, ich fuehle mich sofort unwohl, die mir vertraute eigene Stimme klingt sogar total fremd. Egal, wie lange ich mich in einem solchen Raum aufhalte, das (mein) unwohl sein/Gefuehl bleibt. Die in solchen behandelten Raeumen existierenden Bedingung scheinen meine BioMaschine zu ueberfordern. Dies fuehrt dazu, dass ich nicht entspannt Musik hoeren kann.

Ich scheine sehr empfindlich auf den starken EInsatz von Basotec (aehnlichen) Materialien und dem damit zusammenhaengenden Absorbationsverhalten zu reagieren und dieses als nicht natuerlich und zu diesem Raum gehoerig zu identifizieren.
(Entsprechend setze ich Basotec nur sehr sehr sparsam bei mir ein)

Ich reagiere aber sehr empfindlich auf jedwede Form von Flatterechoes oder eckaufgeladenen Reflektionen, diese kommen mir vor , als waeren es parallel stattfindende und zeitlich versetzte Schallereignisse, die mein Hoeren als sehr stoerend empfinden.

Entsprechend habe ich in meinem Raum in diesem mich sehr stark stoerenden Bereich behandelt.

Im Bereich der Bassmoden bin ich sehr viel unempfindlicher, dies empfindet mein Gehoer wohl als etwas zur Natur der Geraeuscherzeugung in Raeumen dazugeheorendes. Somit ist mein Aufwand in diesem Bereich nicht so hoch (Ich manage die Energie im Raum, dass sich diesen nicht noch auf de Geraete uebertraegt und habe diverse Eckabsorber in Verwendung)

Sehr stoerend empfinde ich zB auch Reflektionen von hinten, diese sind fuer mein persoenliches Hoerempfinden sehr stoerend. Entsprechend bemuehe ich mich immer, hinter dem Hoerplatz ein CD Regal oder etwas aehnliches stehen zu haben.


So mag ich jedem empfehlen, erst einmal zu ergruenden, was am Einfluss seiner persoenlichen Hoersituation ihn tatsaechlich stoert und wo ihm sein persoenliches Hoeren signalisiert, dass dieser Effekt nicht weiter schlimm ist.

Dann kann man sich mit den fuer einen selbst wichtigen Dingen beschaeftigen und hat so eine klare Priotirisierung.

Ich persoenlich wunde rmich zB immer, dass ich in total behandelte Raeume komme und ich dank der reichlich vorhandenen Flatterechoes immer noch keine Musik hoeren kann...

(einfach mal laut klatschend durch den Raum gehen und darauf achten, wo das Klatschen am lautesten ist, dort wird es vom Raum deutlich verstaerkt, jeh nach Raum, kann man auch sehr gut den Nachhall des Klatschens hoeren)

Gruss
juergen

ps
ich mag diese Produkte sehr gerne und setze diese entsprechend bei mir ein:

http://www.michaelgreenaudio.net/

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#74

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 11:26
von maldix • 2.562 Beiträge

Hi Shakti,

Schon erstaunlich wie ähnlich Empfindungen doch sein können. Wobei sicherlich die wenigsten mal in den Genuss kommen die Erfahrung in einem "schalltoten" Raum zu kommen. Auch die Erfahrung in einem Aufnahmestudio sich zu Bewegen dürfte eher seltener bei vielen vorkommen.

Wobei dies auch wirklich keine Umgebungen zum entspannten Musikhören sind.
Überdämpfte Räume sind genau so grausam wie echobehaftete Hallen.

Wenn ich mich bei mir umschaue, sind die Punkte die du ansprichst auch die Punkte die mir wichtig sind und waren.

Bei mir bin ich auch noch nicht sicher, ob ich da vielleicht noch was mache oder nicht. Die aktuelle Ausgangslage ist zumindest mit den von mir eingesetzten Optimierungen schon deutlich besser als vorher.

In Wohnräumen ist man aber da weniger frei in der Wahl der Mittel. Um deine Raumgröße beneide ich dich schon etwas, wohl wissend dass dies auch andere Herausforderungen stellt, besonders wenn es um den Einsatz von Korrekturen geht.


auditorus te salutant
zuletzt bearbeitet 06.11.2016 11:26 | nach oben springen

#75

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 14:25
von Bernie • 1.255 Beiträge

Für mich ist mittlerweile sehr schwierig einzuschätzen was raumbedingte und was reproduktionsbedinge Probleme sind. Klar, eine Mode im Bass kann man leicht identifizieren, aber warum stört sie überhaupt ? Ein sehr guter Verstärker der den Bass wirklich kontrollieren kann regt die Mode genauso an wie ein schlechterer Verstärker, trotzdem stört die Mode deutlich weniger.
Das gleiche im Hochton. Woher weiss ich das mit meiner Anlage alles stimmt bevor ich mich an die Arbeit mache und alles mit Basotect zuklebe ?
Ich habe in der Vergangenheit häufig über ein Raumtuning nachgedacht, aber mit jeder Verbesserung meines Setups den Gedanken daran wieder fallen gelassen. Mittlerweile bin ich froh dass ich nichts gedämmt habe denn jetzt klingt es für mich perfekt. Ich wollte da nichts durch Dämmung verlieren.
Der Bass ist eine andere Sache, den Peak muss man definitiv verringern sonst wird es bei einigen Aufnahmen doch zuviel. Dafür ist allerdings manche Aufnahme für diesen Peak durchaus dankbar.
Irgendwie auch ein Dilemma...
Passive Massnahmen im Bass sind immer sehr groß, deshalb habe ich momentan nur eine leichte Reduktion der Mode von 10 auf 5db mittels Mathaudio Room EQ im Einsatz. Der Fequenzverlauf im Bass ist damit natürlich nicht ideal, aber es stört nichts mehr. Korrigiere ich den Frequenzgang in Richtung Ideal wird es langweilig.
Eine passive Korrektur wäre natürlich theoretisch besser, aber selbst ein großer Helmholtzresonator nimmt nur einige db weg. Und einen Resonator präzise auf eine Frequenz abzustimmen ist auch nicht ganz einfach. Ich denke aber eine aktive Korrektur die nur schmalbandig zwischen 42 und 46 Hz wirkt hat keinen negativen Einfluss auf die Bassperformance. Anders sieht das aus wenn ich sehr breitbandig korrigieren muss weil z.B. der Bass zwischen 50 und 100Hz zu laut ist.


PC mit Audiophile Optimizer, Fidelizer Pro, Roon, Mathaudio Room EQ (offline Faltung)-> AIR -> Devialet 1000Pro CI -> Inakustik 4004 AIR LS Kabel -> Vivid Audio Giya G2
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#76

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 14:33
von Mr.Bojangles • 79 Beiträge

Jaja, wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass, so ähnlich hat es der Akustik-Berater auch gemeint, wenn er es auch wesentlich verklausulierter formuliert hat.
Aber ich will meinem Blog an dieser Stelle nicht vorgreifen ....

Die Intensität der Schallabsorption hängt natürlich vom Anwendungszweck eines Raums ab, da bin ich ganz bei euch. In einem Tonstudio ist es extrem wichtig, dass äußere Einflüsse so weit als möglich ausgeschaltet werden. Aber auch ich empfinde in solchen Räumen bei längerem Aufenthalt ein leichtes Unbehagen.
Wir brauchen ein gewisses Maß an Schallreflektion, um uns im natürlichen Leben zurecht zu finden und in einem Wohnraum allemal. Deshalb gelten hier andere Korridorwerte als für ein Tonstudio. Oft werden mit Schaumstoffen (z.B. Basotec) die hohen Frequenzen überproportional gedämpft, was der Musikalität der Wiedergabe eher schadet.

Zum Thema elektronische Korrektur, da bestreite ich eine Nutzbarkeit für gewisse Situationen durchaus nicht. Ich hinterfrage nur die grundsätzliche Herangehensweise an die Probleme.
Bei diesen Verfahren wird ja ausschließlich das Musiksignal manipuliert.

Also, da wurde ein Musikstück mit großer Mühe und viel Aufwand im Tonstudio gemastert. Dann in möglichst hoher, also verlustarmer Form digitalisiert, um am Ende durch eine möglichst präzise arbeitende Kette wieder in Musik verwandelt zu werden.
Alle Eingriffe erfolgen nun ausschließlich an der digitalisierten Aufzeichnung und jeder Eingriff ist irreversibel destruktiv!
Ein sehr vereinfachtes Beispiel zur Demonstration der Arbeitsweise für diejenigen, für die wir hier zuviel fachsimpeln:
Im Musikstück wird für eine bestimmte Frequenz, sagen wir mal der Klang einer Hi-Hat, eine Energie von 6db vorgesehen. Messungen im Hörraum haben nun ergeben, dass am Hörplatz diese Frequenz mit 9db aufschlägt, also um 50% verstärkt durch den Raum. Nun wird dem Musikstück für diese Frequenz ein neuer, niedrigerer Wert von 4db zugeschrieben, der sich bei 50% Verstärkung durch den Raum dann in den gewünschten 6db am Hörplatz realisiert.
Es gibt nur ein Problem: Für einen Teil der Reproduktion ist nun nicht mehr mein LS zuständig, sondern die Wände in meinem Raum. Bin ich da der einzige, den hierbei ein ungutes Gefühl beschleicht? Wenn ich es polemisch formuliere, dann könnte ich ja einen Brief an B&W schreiben, ob die mir nicht eine preisgünstigere 802 mit nur einem Basstreiber verkaufen können, weil den Rest des Basses ja meine Wände erzeugen?
Ich habe allerdings die Befürchtung, dass die Wände nicht so präzise arbeiten, und die Echos kommen auch in einer anderen Phasenlage am Hörplatz an, als der originale Schall vom LS.

Hinzu kommt, dass die ganzen Korrekturen auf Messungen beruhen, die immer fehleranfällig sein werden, trotz hochwertiger Mikrofone, Soundkarten, Kalibrierungen usw.. Luftdruck, Temperatur, technische Gegebenheiten u.a. lassen keine exakten Ausgangsdaten zu. Das wird noch viel kritischer, wenn ich vermeintliche Fehler des LS über einen destruktiven Eingriff ins Musiksignal kompensieren will. Dazu müsste der LS in ein Labor, um unter exakten Bedingungen getestet zu werden.
Die Gefahr von 'Verschlimmbesserungen' ist hier mehr als realistisch. Oder aber, man treibt Luzifer mit Belzebub aus, will heißen, ich bekämpfe ein Problem und handele mir dafür ein anderes ein.

Wenn ich sehe, dass Geräte, die 'on the fly' korrigieren, 5000 Euro und mehr kosten, so frage ich mich, ob sich nicht für weniger Geld ein Wohnraum in akzeptablem Maße 'behandeln' lässt. Dem gehe ich ja gerade in meinem Blog auf den Grund.

LG,

Bo

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#77

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 14:47
von maldix • 2.562 Beiträge

Hi Bo, das war nicht bös gemeint, aber so kommt es mir etwas vor. Unabhängig davon bin ich auf die Erkenntnisse im Blog gespannt.

Vielleicht heflen ja manche Überlegung noch einen Schritt weiter zu kommen, da ja durchaus Erfahrungswerte hier helfen können.

Wenn ich deinen letzten Post lese, muss ich etwas nachdenken aber auch schmunzeln.

Hast du vielleicht nicht zu viele Informationen, die dein bestes Messgerät, dein Ohr, beeinflussen.
Da ich kein Toningenieur bin, hat mich noch nie wirklich interessiert mit wieviel db irgend ein Instrument bei mir am Hörplatz ankommt. Ich entscheide dies nach meinem Gefühl ob es mir gefällt.

So akzeptiere ich auch eine Unschärfe im Bass z.B. durch eine Mode, wenn die Musikalität bleibt. In den wenigsten Konzerten wird man optimierte Räume finden und dort höre ich die Musik so wie die Künstler diese live spielen.

Wenn mich zuhause beim Klang nichts stört, kann ich stundenlang wirklich entspannt hören, was ich derzeit auch oft mache.

Dabei sind mir mal gerade die Kennlinien der LS oder meine Raummessung wirklich egal. Wenn es mir Spass macht, dann ist alles gut.

So gerfällt ja auch manchem mehr Hochton oder mehr Bass, ggf. durch eine Regelung am Gerät, falls möglich, nachgeregelt. Oder man hat bewusst Lautsprecher gewählt die von Hause aus schon eine entsprechende Signatur mitbringen.

Veilleicht sollte man sich nach oder bei allem Messen auch mal mehr auf das Ohr verlassen.


auditorus te salutant
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#78

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 14:51
von Mr.Bojangles • 79 Beiträge

Aber klar, das ist ja gerade der Auslöser meiner Bemühungen. Solange ich nicht weiß, dass es besser geht, vermisse ich ja auch nichts. Nur wenn ich meine Komponenten an anderer Stelle höre, und es dort signifikant besser ist, dann lässt es einen natürlich nicht mehr in Ruhe: Das muss doch zu Hause auch möglich sein. Und dann treibt es einen halt um ;-)

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#79

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 15:35
von maldix • 2.562 Beiträge

Hi Bo,

ja das kann ich auch bestens nachvollziehen, da es mir auch so erging. Ich hatte meine LS bei Klipschfan gehört und wusste wie die sich anhören konnten und war deshalb auch lange nicht zufrieden.

Auch ich musste da "Schrauben" um das soweit zu bringen, bis es mir akustisch gefiel.
Allerdings war mir klar, das wenn ich das mit diesen LS machen wollte, dass ich einige Paradigmen verändern musste und auch etwas Geld in die Hand nehmen muss. Sonst hätte ich bei meiner alten Lösung bleiben könnnen, die mir musikalisch auch sehr gut gefiel, unabhänig davon dass es heute bei mir besser klingt als jemals zu vor.


auditorus te salutant
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#80

RE: Herangehensweise?

in Raumakustik und Aufbau von Komponenten 06.11.2016 22:05
von Mr.Bojangles • 79 Beiträge

Zitat von maldix im Beitrag #79
und auch etwas Geld in die Hand nehmen muss


Ja, oh ja .....

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