#1

die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 16.02.2017 15:39
von Simplon • 1.826 Beiträge

Hi,

gerade die neu eingetroffene Vinyl-Box vom Live in Hamburg Konzert mit e.s.t hörend, frage ich mich, wer die besten Jazzpianisten waren. Hier mal meine Überlegungen:

zwischen 1950 und 1975 war es Bill Evens, über den wir kürzlich hier im Forum das Live in Paris Konzert besprochen haben

zwischen 1975 und 2000 waren es Keith Jarrett, Herbie Hancock und Chick Corea. Alle drei waren Pianisten bei Miles Davis, der fruchtbaren Nachwuchs-Schule des Jazz in den 60gern. Keith Jarrett ist hier für mich der Primus inter Pares, aber nach eigenem Bekunden schon seit 1995 weder mental noch körperlich in der Lage, wie früher lange Improvisationen durchzustehen. Ich habe ihn im Sommer 2016 zuletzt solo live gehört, ein sehr schönes Konzert, aber die Improvisationen alle max. 20 Minuten lang. Und wenn er nicht weiterweis, hilft der Blues, dies zu überbrücken. Schon lange dauern die komponierten Zugaben genau so lange wie der Improvisationsteil. Aber er war genial.

In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts war es zweifelsfrei Esbjörn Svensson. Und das hier ausführlich besprochene Hamburg- Album war der Höhepunkt. Viele, gerade bei ACT, versuchen, ihm nachzueifern, aber keiner schafft es bisher.

Und nun? Es gab und gibt immer eine Vielzahl von Pianisten, die toll spielen, aber keinen Stil prägen und keine Innovation in die Musikgeschichte hineintragen. Alleine ECM und ACT haben jede Menge guter Leute, aber die bringen nix neues.


simplon


Gruß Simplon

It don´t mean a thing if it ain´t got that swing (Duke Ellington, lyrics: Erving Mills, 1931)


zuletzt bearbeitet 16.02.2017 15:46 | nach oben springen

#2

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 16.02.2017 17:25
von maldix • 3.616 Beiträge

Hi Simplon,

also mir fallen da innerhalb von wenigen Sekunden noch einige Pianisten ein, die den Jazz deutlich beeinflusst haben.

Dave Brubeck, Oskar Petersen, Thelonius Monk, Duke Ellington, Willie Smith, Teddy Willson, Count Basie, Alexander von Schippenbach, Kenny Barron, Monty Alexander, Aki Takase, John Taylor, Brad Meldau, Michael Wollny würden mir da sofort einfallen.

Selbst in hoher Flughöhe, Monk, Ellington, Petersen, Brubeck kann ich im gleichen Atemzug nennen wie Jarrett, Corea, Hancock.

Und wenn wir genau überlegen werden wir sicher noch weitere finden. Müsste später mal die die Plattensammlung schauen was sich da noch findet.


auditorus te salutant
zuletzt bearbeitet 16.02.2017 17:26 | nach oben springen

#3

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 16.02.2017 21:18
von Simplon • 1.826 Beiträge

Zitat von maldix im Beitrag #2
Hi Simplon,
also mir fallen da innerhalb von wenigen Sekunden noch einige Pianisten ein, die den Jazz deutlich beeinflusst haben.
Dave Brubeck, Oskar Petersen, Thelonius Monk, Duke Ellington, Willie Smith, Teddy Willson, Count Basie, Alexander von Schippenbach, Kenny Barron, Monty Alexander, Aki Takase, John Taylor, Brad Meldau, Michael Wollny würden mir da sofort einfallen.
Selbst in hoher Flughöhe, Monk, Ellington, Petersen, Brubeck kann ich im gleichen Atemzug nennen wie Jarrett, Corea, Hancock.
Und wenn wir genau überlegen werden wir sicher noch weitere finden. Müsste später mal die die Plattensammlung schauen was sich da noch findet.



Hi Maldix,

Pianisten gibt es viele, Monk nehme ich sofort in meine Liste auf. Thelonious Monk hat den BeBob der 40er maßgeblich mitgeprägt. Duke Ellington war weniger als Pianist bekannt geworden, sondern als Komponist und Bandleader. Da hat er aber den Jazz in den Dreißigern und Vierzigern stark geprägt.

Die anderen sind alle tolle Pianisten, aber für mich bleibt die nun um Monk ergänzte Liste die Größten unter den Großen.

Willie Smith, Teddy Willson, Count Basie, Alexander von Schippenbach, Kenny Barron, Monty Alexander, Aki Takase, John Taylor, Brad Meldau, Michael Wollny mit Jarrett oder Corea zu vergleichen, dem würde ich nicht zustimmen. Wie haben sie denn den Jazz beeinflußt? Kenny Baron z.B. ist ein fantastischer Begleit-Pianist, Schlippenbach mit dem Free Jazz, den kaum einer verstanden hat, wieder verschwunden, Basie war vielleicht der größte BigBand- Leader, Peterson war der technisch wohl schnellste seit Fats Waller und Vorbild für den jungen Monty Alexander und die anderen sind auch klasse und auch ich habe noch viele im Regal. Aber ganz oben?

simplon


Gruß Simplon

It don´t mean a thing if it ain´t got that swing (Duke Ellington, lyrics: Erving Mills, 1931)


zuletzt bearbeitet 16.02.2017 23:00 | nach oben springen

#4

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 16.02.2017 23:48
von maldix • 3.616 Beiträge

Deine Überschrift heist doch die Besten Pianisten im Jazz und dazu zähle ich diese Musiker nun mal alle. Für mich gehörten diese nun mal zu genau diesen besten Pianisten.
Ein Ranking will ich da nicht machen. Wer davon als besser oder schlechter anzusehen ist, vermag ich nicht sagen.

Alle haben aus meiner Sicht aber den Jazz deutlich beeinflusst und nach von gebracht und das jeder wohl auf seine Art. Wie alles gefällt dem geneigten Zuhörer manches mal besser oder schlechter.

Monk nimmt für mich eine Sonderstellung ein. Mit der Vielzahl seiner Jazz-Standards die er komponiert und damit auch maßgeblich den Bebob mit begründet hat ist er schon eine Ausnahme. Er wurde m.E. aber auch als Komponist noch bekannter als als Pianist. Dabei verstand Monk es in seinem Spiel zu Improvisieren wie kaum ein anderer. Sein Spielen überzeugte dabei durch moderate Tempi bei denen er ständig die Melodien und Harmonien variierte. Monk konnte spontan bekannte Themen und Motive so verändern, dass er in dem er die Phrasen und Akkorde so ausdehnte oder verkürze, daraus bizarren Improvisationen entstehen ließ, ohne sich dabei im Nivana der Töne zu verlieren. Er kehrte aber immer wieder klar zum Thema zurück. Neu war dabei, dass er dies mit sehr ungewöhnlichen Akkorden oder Intervalle verband. So nutze er u.a. gerne den übermäßigen Dreiklang, die Ganztonleiter, so wie die zum Tritonus erhöhte Quarte (das „Bebop“-Intervall) und kleine, als besonders dissonant empfundene Sekunden.

Oder nehmen wir auch mal Count Basie. Der wurde Anfangs stark beeinfluss vom schnellen Thomas „Fats“ Waller ( den ich nicht auf der Uhr hatte). Basies entwickelte gewissen musikalischen Minimalismus und zeigte, das es auch swingenden Jazz ohne irrwitzige Harmonien gibt. Seine Musik am Piano basierte auf klarem Rhythmus und Tempo und achtete auf Spannungsbögen in dem er auf die "Macht" der Pausen und kurze Riffs aus Call und Response setzte. Hierdurch unterschied der sich durchaus von anderen Pianisten seiner Zeit.
Es ist aber auch richtig, dass er er Bandleader bekannter wurde.

So kann man zu allen genau die Eigenheiten finden, die neben einem ausgezeichneten Spielvermögen die unterschiedlichsen Jazzformen mit weiterentwicklenten.
Dass dabei auch Free Jazz wie der von Schlippenbach gehört, ist für mich auch selbstverständlich. Wobei auch mir diese Art der Musik nur bedingt nahe geht und mir der Zugang da sichtlich schwerer fällt. Nichtsdestotrotz sind die Fähigkeiten des Künstlers außerordenlich.

Vor diesem Hintergrund sehe ich die Pianisten. Wenn du Simplon da für dich einen anderen Maßstab ansetzt ist das durchaus ok.

Aus meiner Sicht stehen sie alle auf dem Niveau der besten Jazz Pianisten.


auditorus te salutant
zuletzt bearbeitet 16.02.2017 23:50 | nach oben springen

#5

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 17.02.2017 00:52
von spectralML • 890 Beiträge

Chick Corea
Keith Jarret
im Modal Jazz
Lyle Mays


Wer anders ist,
wird besser wahr genommen.
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#6

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 17.02.2017 01:00
von GHP • 5.107 Beiträge

Herbie, Herbie, Herbie ...


Ein Leben ohne GENELEC ist zwar möglich, aber sinnlos.

nunmehriges Goldohr ! ;-)
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#7

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 17.02.2017 20:04
von Simplon • 1.826 Beiträge

Hi Maldix,

Du hast uneingeschränkt recht, wenn Du diese Pianisten als große Könner bezeichnest. Ich hätte den Thread besser "die bedeutendsten Pianisten" genannt, weil ich wollte eine Diskussion über die Leute anfachen, die den Jazz weiterentwickelt haben. Man kann ja sagen, der Jazz hat bis 1990 alle 10 Jahre eine neue Phase duchlaufen. Phase und stilprägende Musiker waren u.a.:

zwanziger Jahre: New Orleans Jazz mit Louis Armstrong und als Pianist Jelly Roll Morton
dreißiger Jahre: Swing mit BigBand, am Piano Fats Waller
vierziger Jahre: Bebob mit Charlie Parker (as) und Dizzy Glllespie (tp), am Piano Thelonious Monk
fünfziger Jahre: Cool Jazz, Monk wurde zum Piano-Star
sechziger Jahre: Free Jazz (war halt die wilde Zeit vom Vietnamkrieg-Protest und der 68ger), Bill Evans am Piano, Monk erlebte seinen Karriere-Höhepunkt und Absturz
siebziger Jahre: Fussion mit Miles Davis (der auch vorher prägend war) und am Piano eben Hancock, Corea und Jarrett, ggf. noch Joe Zawinul
ab den Neunzigern: die Suche nach einem neuen Stil, für mich hat e.s.t den Weg hierhin anfänglich entdeckt


simplon


Gruß Simplon

It don´t mean a thing if it ain´t got that swing (Duke Ellington, lyrics: Erving Mills, 1931)


zuletzt bearbeitet 17.02.2017 20:10 | nach oben springen

#8

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 18.02.2017 14:04
von spectralML • 890 Beiträge

Grüss dich Simplon

in der Reihenfolge sehe ich das auch, als alter Jazzklampfer.
Hancock war mitführen im Bereich des Fusion. Ein Stil den ich lange selber praktiziert habe.
Zwaniul ebenfalls, aber mit einem völlig eignen Kompositions und Spielstil.
E.S.T. . Ja auch ein neuer eigener Stil. Leider ist Esbjörg Sevenson beim Tauchen ertrunken.
Ein grosser Verlust.

Für mich steht da noch McCoy Tyner, Bred Mehldau
und als grosser Fan von Metheny, wie schon gesagt Lyle Mays.
Stilistisch nicht einfach zu beschreiben. Zwischen Soft Jazz, Smoothjazz und moderner Tradition
harmonisch mit polyphonen Harmonien anzusiedeln mit einer Mischung aus 2-5-4 -1 Sequenzen.

Dave Grusin ist für mich auch ein ganz Grosser.
Viel Filmmusik, aber auch traditionel Real Book und im Bereich Fusion.


Wer anders ist,
wird besser wahr genommen.
zuletzt bearbeitet 18.02.2017 22:27 | nach oben springen

#9

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 18.02.2017 20:42
von Simplon • 1.826 Beiträge

Hi SpectralML,

McCoy Tyner gehört auch für mich dazu, da hast Du recht. Zuerst als Pianist von John Coltrane und später als Bandleader. Ich habe viele Platten von ihm, Meine Favoriten sind Sama Layuca 1974 mit Boby Hutcherson und Gary Bartz (Desert Cry) und Focal Point 1976 (Mode For Dulcimer).

Brad Mehldau müsste ich für mich noch entdecken. Trotz der vielen hervorragenden Kritiken habe ich noch keinen positiven Zugang zu seiner Art gefunden.

Simplon


Gruß Simplon

It don´t mean a thing if it ain´t got that swing (Duke Ellington, lyrics: Erving Mills, 1931)


zuletzt bearbeitet 18.02.2017 21:58 | nach oben springen

#10

RE: die besten Pianisten im JAZZ

in Jazz 11.02.2021 21:56
von Simplon • 1.826 Beiträge

Mit großer Trauer verkünden wir, dass Chick Corea am 9 Februar im Alter von 79 Jahren an einer seltenen Krebsform gestorben ist, die erst kürzlich entdeckt wurde.

Während seines ganzen Lebens und seiner Karriere hat Chick die Freiheit und den Spaß daran, etwas Neues zu schaffen und die Spiele zu spielen, die Künstler machen.



Obwohl er der erste wäre, der sagte, dass seine Musik mehr gesagt hat als Worte es je könnten, hatte er dennoch diese Botschaft für alle, die er kannte und liebte, und für alle, die ihn liebten:

′′ Ich möchte all denen auf meiner Reise danken, die geholfen haben, die Musikfeuer hell brennen zu lassen. Ich hoffe, dass diejenigen, die es wissen, zu spielen, zu schreiben, zu performen oder auf andere Weise zu spielen, dies tun. Wenn nicht für dich selbst, dann für den Rest von uns. Nicht nur die Welt braucht mehr Künstler, es macht auch einfach viel Spaß.

′′ Und an meine tollen Musikerfreunde, die so lange ich euch kenne, wie Familie für mich sind: Es war ein Segen und eine Ehre, von euch allen zu lernen und mit ihnen zu spielen. Meine Mission war es immer, die Freude zu bringen, überall zu kreieren, wo ich konnte, und dies mit all den Künstlern getan zu haben, die ich so sehr bewundere - das war der Reichtum meines Lebens."

Er ist der letzte der goßen Drei am Jazz- Klavier, den ich live erleben durfte, der Größte für mich beim Live-Auftritt und leider der Erste, der gehen musste.


Gruß Simplon

It don´t mean a thing if it ain´t got that swing (Duke Ellington, lyrics: Erving Mills, 1931)


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